10 Jahre Erasmus+ weltweit – gemeinsam lernen und lehren

Internationaler Austausch als Brücke zwischen Europa und der Welt
Spektrum
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Text: Dr. Melanie Förster und Andrea Götz

Internationale Erfahrungen sammeln, neue Perspektiven gewinnen und globale Partnerschaften aufbauen – das ermöglicht die »International Credit Mobility« (ICM) bereits seit zehn Jahren durch die Förderung von Teilnehmenden aus allen Regionen der Welt. Als »Erasmus+ Mobilität mit Partnerländern« – auch bekannt als zunächst »Key Action« (KA) 107, jetzt 171 – hat diese Förderlinie des Erasmus+ Programms seit 2015 durch zusätzliche Mittel entscheidend dazu beigetragen, das europäische Austauschprogramm zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte zu entwickeln: Deutsche Hochschulen können seither vor allem Studierende und Hochschulpersonal ihrer Partnerhochschulen aus dem nichteuropäischen Raum fördern und zu sich einladen.

Die nun seit zehn Jahren auch mit Erasmus+ mögliche weltweite Zusammenarbeit stärkt die fachliche Expertise, den interkulturellen Dialog sowie die internationale Vernetzung in sowie mit den Partnerländern und trägt entscheidend zur Internationalisierung deutscher Hochschulen bei. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 32.000 Mobilitäten realisiert: Rund 24.000 Lehrende und Studierende aus Partnerländern kamen an deutsche Hochschulen, während 8.000 deutsche Hochschulangehörige Erfahrungen an Hochschulen auf anderen Kontinenten sammelten. Ein Jahrzehnt weltweiter Austausch mit Erasmus+ steht für akademischen Austausch auf Augenhöhe und den kontinuierlichen Ausbau globaler Bildungsnetzwerke für strategische Internationalisierung – aber auch für kulturübergreifende individuelle Erfahrungen und Netzwerke, die in späteren Berufswegen internationale Zusammenarbeit potenziell bereichern können. Andrea Götz, Leiterin des Referats Erasmus+ Leitaktion 1: Mobilität von Einzelpersonen in der NA DAAD, bestätigt diese Entwicklung.

Mit der Integration von Partnerländern außerhalb Europas wurde Erasmus+ zu einem wirklich globalen Programm, das nicht nur den europäischen Hochschulraum stärkt, sondern auch weltweit Brücken zwischen Institutionen und Menschen baut.
Andrea Götz, NA DAAD

Erfolgreiche Kooperationen über Europa hinaus

Die Universität Koblenz ist seit 2015 dabei. Der Schwerpunkt ihrer Projekte liegt – neben der Ukraine, Armenien und Marokko – auf der Region Subsahara-Afrika. Die besondere Verbindung zu dieser Region erwuchs aus der seit den 1980er-Jahren bestehenden Länderpartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Die Universität Koblenz hat ein Ruandazentrum und ein Büro für Afrika-Kooperationen, das über große Regionalexpertise verfügt und die Kooperationen in den Schwerpunktländern Ruanda, Kenia, Madagaskar, Tansania und Südafrika unterstützt.

Zentrale Themen der Kooperationen sind Biodiversität, Ernährungssicherung, Existenzgründungen, kulturelles Erbe, Klimawandel, Personalmanagement, Ressourcenschutz, Sprache und Tropenkrankheiten. Dr. Felicitas Kexel, Leiterin des »International Relations Office« der Universität Koblenz, erzählt begeistert von der Zusammenarbeit mit den Partnerhochschulen. Erasmus+ ermöglichte im Rahmen der weltweiten Förderung erstmals in größerem Umfang einen Aufenthalt von afrikanischen Studierenden an der Universität Koblenz, und Kexel sieht die Programmlinie als eine wichtige Säule, um diese Mobilität weiter ausbauen zu können. Die Incoming-Studierenden bleiben dabei in der Regel für ein Semester. Einige ehemalige Geförderte kommen als Promovierende zurück nach Deutschland.

Flexibilität als Plus

Die große Flexibilität der Programmlinie ermöglichte zudem eine fachliche Erweiterung der Koblenzer Kooperationen und übt damit auch einen strukturellen Einfluss auf. War die Zusammenarbeit zunächst hauptsächlich auf die BioGeoWissenschaften konzentriert, ist sie mittlerweile interdisziplinär und thematisch breiter aufgestellt. Auch die Sprach-und Kulturwissenschaften, Mathematik und Psychologie sind heute vertreten.

Herausforderungen und Chancen

»Bedingt durch unterschiedliche Prozesse und Strukturen an den Partnerhochschulen bedeuten die Mobilitäten mit Studierenden aus Subsahara-Afrika auch einen stärkeren organisatorischen Aufwand für die Universität Koblenz als die Organisation von Erasmus+ Aufenthalten in Europa«, weiß Kexel zu berichten. Das betrifft beispielsweise die Organisation von Flügen, Visa und Unterkünften. Hier hat die Hochschule in den vergangenen Jahren Konzepte für eine effektive Umsetzung dieser Leistungen entwickelt: Incoming-Studierende erhalten zum Beispiel vor Ort Unterstützung durch ein Buddy-Programm für alle universitären und außeruniversitären Fragen, um Kontakte zu knüpfen und ihr Gastland besser kennenzulernen. Außerdem versucht die Universität Koblenz die afrikanischen Hochschulen durch die Projekte besser untereinander zu vernetzen, um Kooperationen zu vereinfachen.

»Booster« für Entwicklung

Die Studierenden aus den Partnerländern profitieren nachweislich von ihren Erfahrungen in Deutschland, entwickeln in ihren Heimatländern berufliche Perspektiven und Karrieren. »Der Aufenthalt an unserer Universität mit all seinen Erfahrungswerten ist geradezu ein ‚Booster‘ für Entwicklung, das sehen wir an den Berichten aus unserem Alumni-und Alumnae-Netzwerk«, unterstreicht Kexel.

Weitere Projektmöglichkeiten mit Hochschulen in anderen Regionen wie zum Beispiel Asien werden kontinuierlich geprüft. Kexel hebt hervor, dass Erasmus+ weltweit eine stetige, erfolgreiche Entwicklung für die Internationalisierung der Universität Koblenz bedeutet: »Wir schauen immer nach spannenden internationalen Kooperationen. Erasmus+ weltweit ist für uns die erste (niederschwellige) Instanz, um neue Projekte anzugehen und zu entwickeln.«

Wichtiger Baustein für die Internationalisierung

Dies bestätigt auch Dr. Randolf Oberschmidt, Leiter des Referats Internationalisierung und Internationale Kooperationen der Universität Kassel, auf die Frage, inwiefern ICM zu den Internationalisierungszielen der Hochschule beiträgt: »Diese Förderlinie spielt für unser Ziel, die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit vielen Ländern der Welt zu vertiefen, eine sehr wichtige Rolle. Damit kann die Universität Kassel insgesamt 40 Partnerschaften in 21 Ländern und sieben Weltregionen pflegen.« Schwerpunkte bilden dabei vor allem Indien, die MENA-Region, Subsahara-Afrika und Südostasien sowie Bosnien und Herzegowina. Besonders intensiv ist der Austausch in den Fachbereichen Ökologische Agrarwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften. Oberschmidt betont, dass die Zusammenarbeit von allen Fachbereichen der Universität wahrgenommen wird und dass jeder einzelne mit der Erarbeitung der Anträge einen Beitrag zur strategischen Ausrichtung der Universität leistet. Er sieht darin ein gelungenes Beispiel für einen kombinierten Ansatz (»Bottom-up« und »Top-down«) bei der strategischen Internationalisierung der Universität.

Zehn Jahre Erasmus+ weltweit

Seit 2015 ermöglicht Erasmus+ auch die weltweite Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal durch die Förderlinie Mobilität mit Partnerländern oder auch »International Credit Mobility« (ICM). Deutsche Hochschulen können hierüber insbesondere Studierenden und Hochschulpersonal ihrer Partnerhochschulen den Aufenthalt in Deutschland ermöglichen sowie eigene Studierende und Hochschulangehörige fördern. Die Mittel hierfür werden dem Erasmus+ Programm von den EU-Generaldirektionen für Außen-und Nachbarschaftsbeziehungen zur Verfügung gestellt. Die Förderlinie hat damit eine gezielte außen-und entwicklungspolitische Komponente. Zum zehnjährigen Jubiläum informiert die NA DAAD über die Erfolge der Förderlinie auf einer Jubiläumsseite.