Die „Union of Skills“:

Qualifizierung für ein starkes Europa
Leitartikel
07.07.2025
Lesezeit: 4 min
Text: Dr. Melanie Förster

Im März 2025 legte die EU-Kommission mit der „Union of Skills“ eine Schlüsselstrategie zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der EU vor. Sie soll Menschen in Europa dabei unterstützen, neue Fertigkeiten zu entwickeln und lebenslanges Lernen als festen Bestandteil im Berufsleben zu etablieren. Dazu fördert die EU-Kommission den freien Verkehr von Wissen und Innovation. Erasmus+ und die dadurch geförderte Mobilität ist nachgewiesenermaßen bereits ein wesentlicher Faktor für die Internationalisierung der europäischen Hochschulbildung und somit für das strategisch ausgerufene Ziel.

Neue Arbeitsmarktanforderungen, Fachkräftemangel und die politische wie wirtschaftliche Weltlage stellen die Europäische Union vor große Herausforderungen. Als Reaktion darauf hat die Europäische Kommission mit der „Union of Skills“ ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das

  • eine solide Grundlage durch allgemeine und berufliche Bildung schaffen,
  • regelmäßige Weiterqualifizierung und Umschulung als neue Norm etablieren,
  • die Bewegungsfreiheit von Fachkräften unterstützen
  • und die EU zu einem Magneten für Talente machen soll.

Bildung als Schlüssel zu hochwertigen Arbeitsplätzen

Die „Union of Skills“ setzt darauf, dass Kompetenzen und Qualifikationen in der gesamten EU zum Einsatz kommen können, unabhängig davon, wo sie erworben wurden. Dafür sollen Maßnahmen wie ein „European Degree Label“ zur Entwicklung innovativer gemeinsamer Studienprogramme in der gesamten EU geschaffen oder die Stärkung der Europäischen Hochschulallianzen vorangetrieben werden.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ erfüllt aus Sicht der Nationalen Agentur im DAAD entscheidende Kriterien, die jetzt in der Strategie schriftlich verankert wurden. „Erasmus+ leistet im Hochschulsektor bereits seit vielen Jahren einen entscheidenden Beitrag zur „Union of Skills“, indem das Programm die Mobilität von Studierenden und Hochschulmitarbeitenden fördert, die Qualität der Hochschulbildung durch Projektförderung steigert und durch die institutionelle Zusammenarbeit innerhalb der 65 Europäischen Hochschulallianzen den Europäischen Bildungsraum festigt“, ordnet Stephan Geifes die Bedeutung ein und ergänzt: „Erasmus+ steht für kompetenzbasierten und werteorientierten Austausch sowie Bildung für junge Europäerinnen und Europäer. Es bedeutet Unterstützung für Einzelpersonen wie für Projekte und hat sich somit als integraler Bestandteil der Internationalisierung des gesamten europäischen Hochschulwesens erwiesen.“ 

Von der Strategie zu konkreten Projekten

Flexible Lernangebote sind ein weiterer Baustein für die neu ausgerufene Strategie. So werden etwa sogenannte Microcredentials – kurze Lerneinheiten oder Schulungen, mit denen Studierende und Berufstätige Kompetenzen für ihre persönliche und berufliche Entwicklung erwerben können – bereits für die Weiterqualifikation sowie zur Internationalisierung und Steigerung der Auslandsmobilität eingesetzt. Um mehr Arbeitnehmenden die Möglichkeit zu geben, neue Fähigkeiten in strategischen Sektoren zu erlangen, möchte die Europäische Kommission Microcredentials zukünftig ausbauen.

Gleiches gilt für die Projektförderung. Der Pilotaufruf „Choose Europe“ im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen wurde mit einem Budget von 22,5 Mio. EUR ausgestattet, um exzellente Forschungs- und Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven zu fördern. Mit dieser Initiative im Horizont Europa-Programm will die Europäische Kommission sicherstellen, dass Europa in der Grundlagenforschung weiterhin eine Vorreiterrolle einnimmt und bei besonders wichtiger Technik führend ist.

Erasmus+ fördert auf individueller Ebene ebenfalls die von Arbeitgeberseite gefragten Fähigkeiten, erweitert den Horizont und vermittelt europäische Werte und demokratische Teilhabe, wie drei aktuelle Studien des DAAD für den Hochschulbereich in Deutschland zeigen. So berichten beispielsweise zwei Drittel der Programmteilnehmenden von einer deutlichen Verbesserung ihrer Fremdsprachen- und Fachkenntnisse sowie ihrer Schlüsselkompetenzen wie etwa Resilienz und Anpassungsfähigkeit, die immer wichtiger werden für den beruflichen Erfolg.

Vor diesem Hintergrund ist eine Intensivierung des Austauschs und ein Erasmusbudget, das diesen Ambitionen Rechnung trägt, mehr als erforderlich, wie die Resolution „Erasmus stärken“ der DAAD-Mitgliederversammlung vom 24. Juni 2025 unterstreicht. Darin wird auf die überragende gesellschaftliche Bedeutung des Programms Erasmus+ für das vereinte Europa verwiesen. Die umfassenden Förderungen von Mobilitäten, Projekten und Europäischen Hochschulallianzen durch Erasmus+ werden als höchst relevant für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen erachtet – ebenso wie der Aufbau von Kooperations- und Internationalisierungsstrukturen an deutschen Hochschulen. 

Die Resolution spricht sich dafür aus, in der nächsten Programmgeneration ein Erasmusgesamtbudget von mindestens 60 Mrd. EUR für die Jahre 2028-2034 bereitzustellen, von dem rund 20 Mrd. EUR nach bisherigem Verteilungsschlüssel den Hochschulen in Europa zur Verfügung zu stellen sind. Der Appell richtet sich an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament ebenso wie an Bund und Länder in Deutschland, für dieses Ziel einzutreten.

Maßnahmen für nachhaltigen Erfolg

Damit die Maßnahmen nachhaltigen Erfolg haben, soll die Europäische Beobachtungsstelle für Kompetenzen Daten und Prognosen liefern und frühzeitig Engpässe bei Qualifikationen und Kompetenzen in wichtigen Branchen identifizieren. Im „European Skills High Level Board“ unterstützen Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Sozialpartner politische Entscheidungsträger zudem mit praxisnahen Empfehlungen. Geplant ist außerdem ein Evaluationsbericht zum Europäischen Bildungsraum, der die bisherigen Fortschritte bewerten und mit dem die Strategie für den Zeitraum von 2026 bis 2030 angepasst werden soll. Die EU-Kommission wird darüber hinaus eine neue Empfehlung zu Bildung und Kompetenzen im Rahmen des Europäischen Semesters geben.

Erasmus+ ist unter der strategischen Ausrichtung der „Union of Skills“ zunehmend wichtig für ein vernetztes Bildungswesen und die Qualifizierung der nächsten Generationen zur Zusammenarbeit in Europa. Das Programm spielt nachweislich eine Schlüsselrolle, um die Talente zu fördern und zu binden, welche die Zukunft Europas gestalten werden.