Studien der NA DAAD zeigen: Internationale Mobilität spielt eine Schlüsselrolle. Auslandserfahrungen tragen entscheidend dazu bei, zentrale Kompetenzen und Werte zu stärken. Das ist nicht nur für die persönliche Entwicklung der Teilnehmenden wichtig, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit Europas.
Das Auslandssemester in Breslau war mein erster Schritt in Richtung kritische Selbstreflexion im globalen System, welches mir letzten Endes den Start einer Karriere bei den internationalen Organisationen ermöglicht hat. Ich beschäftige mich täglich mit meiner deutschen & europäischen Positionierung.
Die Wirkungsstudie „Once in a Lifetime: Erasmus+“ belegt eindrucksvoll, dass Erasmus+ zwischen 2014 und 2020 mit über 350.000 geförderten Auslandsaufenthalten einen maßgeblichen Beitrag zur persönlichen Entwicklung von Studierenden und Hochschulangehörigen geleistet hat.
Um Erkenntnisse zur Zufriedenheit und zum Kompetenzgewinn der Teilnehmenden zu erfassen, befragte die NA DAAD über 19.000 Erasmus-Alumni einige Monate bis einige Jahre nach ihrem Auslandsaufenthalt. Die Nachbefragung beeindruckte mit einer Zufriedenheitsrate von über 90 Prozent. Zwei Drittel der Befragten sehen den Auslandsaufenthalt als bedeutsam für ihre berufliche Entwicklung an.
Studierende, die mit Erasmus+ ins Ausland gehen, kehren also nicht nur mit Fachwissen zurück, sondern auch mit gestärkten persönlichen und sozialen Fähigkeiten. Zudem erlangen Sie Kernkompetenzen, die im heutigen Arbeitsmarkt gefragt sind.
„Unsere fachlich hervorragend ausgebildeten Erasmus+ Alumnae und Alumni sind nicht nur interkulturell kompetente Botschafter der europäischen Idee, sondern bringen Fähigkeiten mit, die wir für eine starke Wirtschaft und Gesellschaft im europäischen und globalen Kontext brauchen“, betont Dr. Stephan Geifes, Direktor der Nationalen Agentur im DAAD.
Das sehen auch die Arbeitgeber: Im Frühjahr 2024 befragten die NA DAAD und das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer gemeinsamen Studie 832 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Das Ergebnis ist eindeutig: Auslandserfahrung im Studium bietet auf dem Arbeitsmarkt einen echten Wettbewerbsvorteil. Insbesondere die Unternehmen, die sich selbst als „innovativ“ oder „international“ einordnen, setzen zunehmend auf Fachkräfte, die gelernt haben, sich in neuen Umgebungen und Kulturen zurechtzufinden, die flexibel und resilient sind und Fremdsprachen beherrschen – alles Kompetenzen, die eine Teilnahme an Erasmus+ stärkt.
Konkret halten die Arbeitgeber in dieser Studie folgende Fähigkeiten für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft für relevant: 87% nannten Unabhängigkeit, 84% Problemlösungsfähigkeit, 82% Initiative und 82% Offenheit für neue Ideen.
„Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, braucht die Wirtschaft Hochschulabsolventinnen und -absolventen als Fach- und Führungskräfte, die ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Problemlösefähigkeit mitbringen“, betont DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Internationale Erfahrungen während des Studiums stärken diese Kompetenzen nachweislich.“
Studienleiter Professor Dr. Axel Plünnecke beim IW bestätigt im Interview: „Insgesamt zeigt die Studie, dass international ausgebildete Studierende während ihres Auslandsaufenthaltes verschiedene Kompetenzen stärken, die wichtig für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sind. Zudem können international Studierende die proeuropäische Haltung und die Weltoffenheit in der Gesellschaft verbessern. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Offenheit in der Gesellschaft sind wichtig, damit die Herausforderungen der Transformation gemeistert werden können.“ Er empfiehlt daher: „Programme wie Erasmus+ sollten auch in Zukunft auf nationaler und europäischer Ebene weiterentwickelt und ausgebaut werden.“
Dies bestätigte sich auf deutscher und europäischer Ebene ebenfalls in der Studie Campus International. Die wissenschaftliche Studie mit Kontrollgruppe belegt anhand einer Selbsteinschätzung von Studierenden positive Effekte einer oftmals lebensverändernden Auslandserfahrung auf die Entwicklung der Studierenden in Bezug auf deren
Frau Dr. Zimmermann, die Autorin der Studie erläutert, dass der Stellenwert der Auslandserfahrung für die Entwicklung einiger persönlicher Eigenschaften und Fähigkeiten in einer Größenordnung vergleichbar mit Effekten zentraler Lebensereignisse, wie z.B. der Hochzeit oder der Geburt eines Kindes, ausfiel.
Bei der Bewerbung sagte mir ein Chefarzt: Ihr Lebenslauf ist der eines Oberarztes, weil anhand des Auslandsaufenthaltes Weltgewandtheit und Neugierde zu erkennen seien. Das freute mich, und zeigte noch einmal den Stellenwert des Erasmus-Aufenthalts.
Die Ergebnisse aller Studien zeigen: Erasmus+ ist mehr als ein Bildungsprogramm – es ist ein wesentlicher Treiber für die „Union of Skills“. Erasmus+ fördert genau die Kompetenzen, die Europa braucht, um auch in Zukunft innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Internationale Mobilität schafft Brücken zwischen Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft – und sorgt dafür, dass Wissen nicht an Landesgrenzen haltmacht.