Mit Erasmus+ Zukunft gestalten: Demokratische Teilhabe als Schlüssel zu europäischer Gemeinschaft

Bericht
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Text: Susanne Reich

Durch seine horizontale Priorität „Teilhabe am demokratischen Leben" ermutigt Erasmus+ Hochschulen und Studierende gezielt dazu, zivilgesellschaftliche und demokratische Prozesse im Einklang mit europäischen Werten zu gestalten und sich daran zu beteiligen. Die daraus resultierende Stärkung der europäischen Identität ist eng mit der Entwicklung zentraler Kompetenzen verbunden – soziale und interkulturelle Fähigkeiten sowie kritisches Denken bilden die Grundlage für aktives gesellschaftliches Engagement. Letztlich können Einzelpersonen und Gruppen durch Beteiligung und den Erwerb entsprechender Kompetenzen ihr Recht wahrnehmen, Entscheidungen, die sie betreffen, mitzugestalten und zu einem gerechteren und inklusiveren Europa beizutragen.

Im Programmzyklus 2021-2027 förderte Erasmus+ Hochschulen und ihre Studierenden darin, sich aktiv mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen innerhalb der Europäischen Union auseinanderzusetzen sowie demokratische Prozesse auf verschiedenen Ebenen – auch innerhalb der Bildungssysteme – zu gestalten und daran teilzunehmen. Dies geschieht im Rahmen der Säule „Teilhabe am demokratischen Leben“. Das SALTO Participation and Information Resource Centre („Support, Advanced Learning & Training Opportunities“) stellt sicher, dass alle Akteurinnen und Akteure des Programms evidenzbasierte Orientierung, Inspiration und geeignete Werkzeuge für diese Arbeit erhalten. Seit 2018 im Jugendbereich aktiv, hat die Europäische Kommission das Mandat von SALTO PI im Jahr 2023 auf die allgemeine und berufliche Bildung ausgeweitet. Weitere Informationen dazu finden Sie hier auf der Website des SALTO PI.

Partizipation als Forschungsgegenstand

Um einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zur Bedeutung von Partizipation in der Hochschulbildung zu erhalten, beauftragte das SALTO den Experten für Hochschulpolitik und Citizenship Education Tomaž Deželan von der Universität Ljubljana. Seine Ausführungen zu unterschiedlichen Aspekten von Partizipation an Hochschulen und deren Wirkung stellen die gesellschaftliche Dimension kompakt dar. Einen Einführungsartikel finden Sie auf der Seite „Participation Resource Pool“.

Die theoretischen Ansätze veranschaulichen, was alles unter demokratischer Teilhabe verstanden werden kann und zeigen beispielhaft auf, inwiefern Partizipation an Hochschulen bereits stattfindet. Gleichzeitig bieten sie Anregungen und Argumente, wie Studierende verstärkt in demokratische Prozesse und soziale Projekte integriert werden können. Im Video „Expert webinar Participation in Higher Education | Participation Academy des Salto PI“ erhalten Sie einen Überblick darüber, wie demokratische Teilhabe im Hochschulbereich erfolgreich gelingen kann.

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Hochschulen als Ort der Partizipation

Die Beteiligung von Studierenden an Universitäten hat viele Aspekte: Von der studentischen Mitbestimmung über politischen Enthusiasmus bis hin zum bürgerschaftlichen Engagement. Studierende übernehmen damit Verantwortung für persönlich und gesamtgesellschaftlich relevante Themen und erlangen mit ihrer Tätigkeit neues Wissen, Fähigkeiten und Perspektiven, die auch für das spätere Berufsleben und die Ziele der „Union of Skills“ von Bedeutung sind. Gleichzeitig erhalten sie die Möglichkeit, ihr Recht auf Mitwirkung und Gehör gegenüber Entscheidungsträgern wahrzunehmen.

Entsprechend ihrem Auftrag zur politischen Bildung und Erziehung zur Demokratie können Hochschulen Studierende für mehr Teilhabe an demokratischen Prozessen in Hochschulgremien einbinden und die Studierendenvertretung kann von Hochschulseite professionalisiert werden. Auch politischer Aktivismus geht häufig von Studierenden an Hochschulen aus. Zahlreiche Studierende engagieren sich zudem ehrenamtlich im sozialen Bereich. Die Rolle der Hochschulinstitutionen reicht also von der Einbindung innerhalb der Struktur der Hochschuladministration über die Einbindung in Curricula und die Bildung von Vertrauen und Toleranz bis hin zur Förderung von kritischem Denken und sozialem Engagement.

Vielfältige Möglichkeiten

Studierende können sich neben den Hochschulgremien auch innerhalb der Hochschuladministration beteiligen und in die Entwicklung der Curricula eingebunden werden. Vertreterinnen und Vertreter der Studierendenschaft werden an europäischen Hochschulen üblicherweise in die Entscheidungsprozesse und Verwaltungsfunktionen der Hochschuleinrichtungen einbezogen. Das Ziel ist es dabei, Vertrauen zu bilden, die Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Hochschulen zu stärken sowie die Organisationsstrukturen zu verbessern. Die studentischen Vertreterinnen und Vertreter erlangen durch ihre Tätigkeit zudem Fähigkeiten und Kenntnisse für eine wirksame Beteiligung an Leitungsprozessen – zum Beispiel bei den Themen Organisation, Fachwissen oder Kommunikation.

Studierendenvereinigungen oder studentische Gruppen bzw. Verbände sind eine weitere Möglichkeit sich zu engagieren. Über diese können Studierende bestimmten Themen Gehör verschaffen und sich beispielsweise über Veranstaltungen vernetzen und austauschen. Auf internationaler Ebene haben Studierendenverbände Netzwerke und Allianzen gegründet, um Herausforderungen in der Hochschulbildung weltweit anzugehen. Europäische Organisationen wie die „European Students' Union“ spielen eine entscheidende Rolle bei der Vertretung der Rechte und Interessen von Studierenden auf supranationaler Ebene, indem sie politische Entscheidungen beeinflussen und die zukünftige Ausrichtung der Hochschulbildung mitgestalten.

Eine Professionalisierung der studentischen Vertretung in der Hochschulleitung stattet die studentischen Vertreterinnen und Vertreter mit den erforderlichen Fähigkeiten, Kenntnissen und Einstellungen für eine wirksame Beteiligung an den Führungsprozessen aus. Dazu gehören die Entwicklung von Fachwissen, professionelles Verhalten, die Förderung von Engagement, eine effektive Kommunikation und das Eintreten für die Interessen der Studierenden. Diese Dimensionen zusammengenommen erhöhen die Effektivität und den Einfluss von studentischen Vertretern und Vertreterinnen in Governance-Prozessen.

Studentischer Aktivismus bzw. politisches Engagement hingegen wird häufig als nicht-institutionelle politische Aktivität charakterisiert, die sich von der formalen Vertretung in offiziellen Leitungsgremien unterscheidet. Dies umfasst in der Regel die öffentliche Äußerung neuer Ideen, öffentliche Debatten zu verschiedenen Themen und den Einsatz von Methoden wie Kampagnen oder Demonstrationen.

Laut einem Artikel (Celio, C. I., Durlak, J., & Dymnicki, A. (2011). A meta-analysis of the impact of service-learning on students. Journal of Experiential Education, 34(2), 164–181) kann zivilgesellschaftliches Engagement ein wirkungsvolles Instrument für die Entwicklung von Studierenden sein, wenn es gezielt eingesetzt wird. Es verknüpft akademisches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement und bereitet Studierende auf eine aktive und informierte Bürgerschaft vor, während es zugleich ihre Bildungserfahrung bereichert. Studien zeigen, dass strukturierte Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe positive Effekte auf die Entwicklung von Studierenden haben und sowohl ihr persönliches als auch ihr akademisches Wachstum fördern.

Studentisches Engagement fördert Kompetenzen

Bürgerschaftliches Engagement als weitere Option kann die Studierenden auf eine aktive und informierte Bürgerschaft vorbereiten, während es gleichzeitig ihre Bildungserfahrung verbessert und von der Basis in die Gesellschaft hineinwirkt. Bürgerschaftliches Engagement trägt sowohl zum persönlichen als auch zum akademischen Wachstum bei. Die Forschung zeigt, dass strukturierte Formen von Bürgerbeteiligung berufliche und soziale Kompetenzen der Studierenden fördern können. Die NA DAAD bietet aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit den „Lokalen Erasmus+ Initiativen“ und „Europa macht Schule“ konkrete Möglichkeiten zu ehrenamtlichem Engagement von Studierenden an. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel „Studentisches Engagement für Europa“.

Ein Appell für mehr Teilhabe

Gemeinsam mit ihren Studierenden können Hochschulen Brücken bauen, Wissen erweitern und Demokratie erlebbar machen, indem sie sie dazu inspirieren, auf ihre Gegenwart und Zukunft engagiert Einfluss zu nehmen. Nutzen wir diesen Schwerpunkt von Erasmus+, um nachhaltige Impulse für demokratische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement zu schaffen – gestalten wir gemeinsam das Europa von morgen!

Weiterführende Links

  • Weitere Informationen, inspirierende Geschichten und Hilfsmittel finden Sie unter participationpool.eu
  • Einige Leitfragen, mit denen Sie Ihr Erasmus+ Projekt besser auf den Schwerpunkt „Partizipation“ ausrichten können, finden sich in dieser kurzen Broschüre.