Im Jahr 2024 haben sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf verständigt, den Austausch in Europa in allen Bildungsbereichen zu erhöhen. Die Ratsempfehlung „Europe on the move“ formuliert in diesem Zusammenhang das Ziel, dass bis 2030 mindestens 23 Prozent aller Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Rahmen ihres Studiums mindestens eine eigene Auslandserfahrung gemacht haben sollen. Diese Vorgabe korrespondiert mit der Schlüsselstrategie der EU-Kommission „Union of Skills“. Mit dieser sollen junge Europäerinnen und Europäer durch Bildung auf persönlicher, beruflicher und zivilgesellschaftlicher Ebene dazu befähigt werden, sich in einer rasant wandelnden Gesellschaft zurechtzufinden und demokratische Werte zu leben und zu verteidigen. Hier leisten Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus+ auch aufgrund der großen Reichweite des Programms einen entscheidenden Beitrag.
Die Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit fokussiert daher in diesem Jahr den Austausch von Studierenden und Hochschulpersonal als Schwerpunkt von Erasmus+ und beleuchtet dabei verschiedene Aspekte. Zu diesen gehören die vielfältigen Formen von Mobilität: Erasmus+ richtet sich an verschiedene Zielgruppen – Studierende, Lehrende und Hochschulmitarbeitende. Mobilität ist in allen Studienphasen (Bachelor, Master und Promotion), also auch mehrmals hintereinander, möglich. Neben dem klassischen Auslandssemester werden zum Beispiel mit den sogenannten „Blended Intensive Programmes“ auch kurze Studien- bzw. Fortbildungsaufenthalte wie Summer Schools oder Staff Weeks zum Teil mit digitaler Komponente angeboten. Außerdem werden Praktika für mindestens zwei Monate und maximal zwölf Monate mit Erasmus+ gefördert, wenn sie in einer öffentlichen oder privaten Einrichtung in einem der 33 teilnehmenden Programmländer absolviert werden.
Wenn man richtig in Land, Kultur und den Lebensalltag der Menschen eintauchen möchte und auch schon einen ungefähren Plan hat, wohin es für ihn oder sie beruflich gehen könnte, sollte man unbedingt ein Praktikum im Ausland in Erwägung ziehen.
Auch thematisch setzt Erasmus+ Schwerpunkte. In der aktuellen Programmgeneration bezieht es die gesellschaftspolitisch wichtigen Themen Inklusion, Digitalisierung, demokratische Teilhabe und Nachhaltigkeit als transversale Prioritäten in die Ausgestaltung der Förderung mit ein. Damit wirkt es über die Hochschulen tief in die Gesellschaft hinein.
Erasmus+ wird in 33 Programmländern in vollem Umfang durchgeführt. Neben den EU-Mitgliedsstaaten sind dies Island, Liechtenstein, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien und die Türkei. Zahlreiche Programmlinien können darüber hinaus in weiteren sogenannten Partnerländern umgesetzt werden, mit dem Ziel, den Austausch und die akademische Zusammenarbeit auch mit Nationen außerhalb der EU voranzutreiben. Diese internationale Dimension umfasst fast die ganze Welt mit besonderen Schwerpunkten wie den Ländern des Westbalkans, der Ukraine und Subsahara-Afrika. Ab 2027 werden auch die Schweiz und das Vereinigte Königreich sehr wahrscheinlich wieder am Programm teilnehmen. Weitere Länder sollen 2028 dazukommen. Die Ausweitung von Erasmus+ ist ein starkes Zeichen für die Strahlkraft der Europäischen Union.
Oben in der Rangliste der beliebtesten Gastländer liegen Dauerbrenner wie Spanien und Frankreich, es gibt aber auch echte Geheimtipps, etwa in Osteuropa oder in Ländern des Balkans.
Ljubljana? Von dieser Stadt hatte ich vor meinem Erasmus+ Aufenthalt noch nie gehört. Ich musste sie googlen, um herauszufinden, wo die kleine Hauptstadt liegt. Mein Erasmus+ Aufenthalt in Ljubljana hat sich als eine sehr große Bereicherung für mein Studium herausgestellt und ich kann es wärmstens weiterempfehlen, einen Erasmus+ Aufenthalt zu machen, um Horizonte zu erweitern, andere Kulturen kennenzulernen und das Studierendenleben im europäischen Ausland kennenzulernen.
Die Ergebnisse von Studien der NA DAAD belegen eindrücklich, was ein Auslandsaufenthalt jungen Menschen persönlich und beruflich bringt: Erasmus+ fördert Fähigkeiten wie interkulturelle Kompetenzen, Fremdsprachenkenntnisse, Eigenständigkeit und den sprichwörtlichen „Blick über den Tellerrand“. Auslandsmobile Studierende werden flexibler und resilienter, und sie lernen, sich in einem neuen Umfeld mit anderer Sprache und Kultur zurechtzufinden. Nicht zuletzt bilden sich bei ihnen Eigenschaften heraus, die zentral für ein demokratisches, wirtschaftlich wie politisch starkes Europa sind. Denn dafür braucht es international ausgebildete und gemeinschaftlich denkende junge Menschen. Über die Vorteile individueller Mobilität hinaus ist Erasmus+ damit ein Motor für ein „Europa der Kompetenzen“, das sich in einer zunehmend unsicheren Welt behaupten kann.
Persönlich waren die prägendsten Erfahrungen, dass ich so viele hilfsbereite Menschen getroffen habe, die mir trotz Schwierigkeiten mit der Sprache weitergeholfen haben. Ich habe für mich mitgenommen, dass man an Herausforderungen wachsen kann und dass man es schaffen kann, auch wenn die Hürden groß sind.
Erasmus+ ist weiter für die Internationalisierung der Hochschulen und ihre weltweite Positionierung zentral. Darauf aufbauend wird das Programm ständig weiterentwickelt. In der derzeit in Planung befindlichen Programmgeneration 2028-2034 soll es daher mit deutlich mehr Mitteln ausgestattet werden. Gemessen an den ehrgeizigen Zielen reichen die vorgeschlagenen Budgets aber nicht aus. Darauf hat die European University Association (EUA) in einem Statement mit den führenden europäischen Hochschulverbünden und Studierendenorganisationen hingewiesen und daher mindestens 60 Milliarden Euro bis 2034 für das gesamte Erasmus+ Programm gefordert. Mindestens 20 Milliarden Euro sind dabei für den Hochschulbereich notwendig. Nur so können Mobilität, internationale Hochschulprojekte und europäische Bildungsziele weiterhin gestärkt und das hohe Niveau gehalten werden.
Unabhängig von politischen Entscheidungen sind und bleiben Auslandsaufenthalte im Rahmen von Erasmus+ einer der Stützpfeiler für die europäische Idee. Dem wollen wir in seinen verschiedenen Facetten in diesem Jahr im Euroletter nachgehen.