„‚Teacher Academies‘ können einen echten Impact erzeugen.“

Im Gespräch mit Dr. Marie Vanderbeke von der Ruhr-Universität Bochum und Carina Fazius von der NA DAAD
Im Gespräch
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„Teacher Academies“ beleben die innereuropäische Zusammenarbeit, um die Perspektive von Lehrkräften zu weiten und an sie adressierte Bildungsangebote zu optimieren. Die 2021 gestartete Erasmus+ Programmlinie unterstützt bewusst die Kooperation mehrerer Bildungsakteure aus unterschiedlichen Sektoren und verschiedenen europäischen Ländern für eine Laufzeit von drei Jahren. 

Dr. Marie Vanderbeke und Carina Fazius sind seit der ersten Stunde mit den „Teacher Academies“ befasst – und von deren Potential überzeugt. Fazius berät in der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD (NA DAAD) deutsche Hochschulen zur Antragstellung und Durchführung. Vanderbeke hat an der „Professional School of Education“ (PSE) der Ruhr-Universität Bochum (RUB) eine der ersten Lehrkräfteakademien mit ins Leben gerufen und koordiniert. Im Gespräch erläutern beide das Besondere an der Förderung. 

Weitere Informationen bietet unser Artikel Lehrkräftebildung europäisch gedacht

Frau Dr. Vanderbeke, Sie waren mit der „Professional School of Education“ unter den Ersten, die eine Erasmus+ „Teacher Academy“ initiiert und koordiniert haben. Was hat Sie angetrieben?

Dr. Marie Vanderbeke: Wir waren zunächst einmal inhaltlich motiviert, uns für eine „Teacher Academy“ zu bewerben. Querschnittsthemen, wie Nachhaltigkeit, Demokratiebildung oder Digitalisierung, werden an Schulen immer wichtiger – gleichzeitig werden Lehramtsstudierende und Lehrkräfte nur bedingt darauf vorbereitet, diese Querschnittsthemen in ihren Unterricht einzubetten. Wir wollten daher phasenübergreifend mit „Stakeholdern“ der Lehrkräftebildung zusammenarbeiten und gleichzeitig im internationalen Austausch „Good Practices“ mit europäischen Partnern dazu austauschen, wie man die Querschnittsthemen über einen Europäischen Syllabus in der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung sowie im Unterricht besser verankern könnte. 

 

„Teacher Academies“ bringen Bildungsakteure aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. Inwiefern kommt diese Kooperation Lehramtsstudierenden zugute, inwieweit regen sie den internationalen Austausch an?

Carina Fazius: Die verschiedenen Bildungsakteure bringen ihre Ideen und Praktiken aus dem jeweiligen nationalen Kontext in einen europäischen Diskurs ein. Im Projektkonsortium wird gemeinsam nach Wegen gesucht, Mobilitätshindernisse zu beseitigen und gute Bedingungen für Mobilitätsfenster mit Anerkennung von Lernergebnissen zu schaffen. Von den innovativen Ideen der „Teacher Academies“ profitieren letztlich die Lehrkräfte von morgen, die europäischen Austausch und Mobilität während ihres Studiums erleben dürfen – ob in Präsenz oder durch virtuelle Formate. Die europäische Dimension in der Lehrkräfteausbildung hat dann auch Auswirkungen auf die Unterrichtsmethoden an Schulen und kann die berufliche Motivation von Lehrkräften positiv beeinflussen.

 

Das Interesse deutscher Hochschulen an den Erasmus+ „Teacher Academies“ ist groß. Wie erklären Sie sich diesen regen Zuspruch, Frau Fazius?

Carina Fazius: Für die deutschen Hochschulen sind die „Teacher Academies“ ein hervorragendes Instrument, die Lehrkräftebildung aus europäischer Perspektive zu betrachten und zu gestalten. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern wird als sehr gewinnbringend empfunden. Auch aus finanzieller Perspektive ist die EU-Förderung mit bis zu 1,5 Millionen Euro pro Projekt äußerst attraktiv und bietet Raum für zahlreiche gemeinsame Projektaktivitäten, wie zum Beispiel die Entwicklung innovativer europäischer Lernmodule für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften oder Maßnahmen zur Steigerung der Mobilität, zum Beispiel in Form von Sommerschulen oder Studienaufenthalten für Studierende und Lehrkräfte. 
Durch das DAAD-Programm Lehramt.International beschäftigen sich viele deutsche Hochschulen schon seit einigen Jahren verstärkt mit der Internationalisierung der Lehrkräftebildung. Da kam die erste Ausschreibung der Erasmus+ „Teacher Academies“ 2021 wie gerufen und führte in Deutschland zu einer erfolgreichen Beteiligung.

 

Frau Dr. Vanderbeke, Ende 2025 ist der Förderzeitraum für Ihr Projekt „Towards a European Syllabus in Teacher Education“ (TESTEd) ausgelaufen. Wie geht es mit TESTEd nun weiter?

Dr. Marie Vanderbeke: Damit die Ergebnisse auch nach Ende der Förderung weiterwirken, setzen wir auf Offenheit und Vernetzung: Alle Materialien sind als „Open Educational Resources“ veröffentlicht worden und werden über europäische und nationale Plattformen verbreitet. Zudem fließen die Ergebnisse direkt in Studiengänge, Weiterbildungen und neue Projekte an verschiedenen Partnerinstitutionen ein – von überarbeiteten Curricula bis hin zu „Massive Open Online Courses“ (MOOCs) und internationalen Kooperationen, wie dem neuen Lehramt.International-Projekt der PSE „Professional School of International Education“ (PiStEn), gefördert durch den DAAD. Die entstandenen Partnerschaften verfolgen wir natürlich ebenfalls weiter. Dadurch bleiben die entwickelten Ansätze lebendig und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

 

Wie bedeutsam für den Erfolg von TESTEd war die finanzielle Förderung durch die Europäische Kommission?

Dr. Marie Vanderbeke: Ein solches Projekt kann ohne EU-Finanzierung nicht gestemmt werden. Insbesondere die Vernetzung zwischen den beteiligten „Stakeholdern“, die ein solches Projekt benötigt, muss finanziell gefördert werden, damit Partner sich in Präsenz treffen können und so intensiver in den Austausch kommen. Natürlich ist mit solchen Projekten auch viel Arbeit verbunden, sodass es auch Finanzierung für Personal braucht, die die Projektkoordination und -durchführung vorantreiben. 

 

Was raten Sie Akteurinnen und Akteuren der Lehrkräftebildung, die sich um die Förderung als „Teacher Academy“ bewerben wollen? Was braucht es, damit sie bei der Förderentscheidung der Europäischen Kommission ausgewählt werden?

Carina Fazius: Die „Teacher Academies“ gehören in Erasmus+ zu den Partnerschaften für Exzellenz. Die Antragstellung ist sehr kompetitiv, und nur ausgezeichnete Anträge haben die Chance auf eine Förderung. Wir raten den Hochschulen, frühzeitig mit der Antragsvorbereitung zu beginnen und das Beratungsangebot der NA DAAD zu nutzen. Bei der Erstellung des Antrags ist die Relevanz der Projektidee sehr wichtig, der Bezug zu den thematischen Prioritäten der Förderlinie, eine solide Bedarfsanalyse sowie innovative Ansätze im Projekt. Auch die Zusammenstellung eines vielseitigen und engagierten Konsortiums aus Hochschulen, Schulen, politischen Entscheidungsträgern und weiteren „Stakeholdern“ im Bereich der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung muss überzeugen. 

 

Die „Teacher Academies“ wurden in der Erasmus+ Programmgeneration 2021-2027 viermal ausgeschrieben. 2026 gibt es keinen Aufruf. Warum sollte die Programmlinie unbedingt weiterlaufen?

Dr. Marie Vanderbeke: „Teacher Academies“ können einen echten „Impact“ erzeugen, da sie die Zusammenarbeit über alle Stakeholder-Gruppen hinweg erlauben, die in der Lehrkräftebildung beteiligt sind, – und das im internationalen Austausch. Dadurch bieten die Projekte nicht nur eine internationale Vernetzung, sondern auch eine breite intersektorale Zusammenarbeit in der Lehrkräftebildung. 

Carina Fazius: Die „Teacher Academies“ bieten Hochschulen ausgezeichnete Möglichkeiten, die Internationalisierung der Lehrkräftebildung voranzutreiben. Das Interesse daran ist weiterhin groß, und der Bedarf an Lehrkräften mit hoher interkultureller Kompetenz in heterogenen Klassenzimmern wächst. Lehrerinnen und Lehrer von heute müssen die Fähigkeit haben, andere Perspektiven einzunehmen, und sich – neben der Vermittlung des klassischen Unterrichtsstoffs – vermehrt mit Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, sprachlicher Vielfalt, Inklusion und Teilhabe befassen. Die „Teacher Academies“ bieten eine Vielzahl von Lösungen an, wie diese länderübergreifenden Querschnittsthemen in den Schulunterricht integriert werden können.
 

Die Fragen stellte Volker Frechen.

 


Dr. Marie Vanderbeke

Dr. Marie Vanderbeke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der „Professional School of Education“ (PSE) der Ruhr-Universität Bochum. Sie koordiniert die Forschungsförderung im „Center of Educational Studies“ und die Nachwuchsförderung in der „Graduate School of Educational Studies“. Darüber hinaus ist sie mit der Internationalisierung in der Lehrkräftebildung befasst und war maßgeblich an dem Projekt „Towards a European Syllabus in Teacher Education“ (TESTEd).
[Foto: Patricia Janicki / PSE]

Carina Fazius, NA DAAD

Carina Fazius ist Referentin für Kooperationsprojekte in der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im DAAD. Sie informiert und berät deutsche Hochschulen zur Antragstellung und Durchführung von EU-Projekten, wie z.B. den „Teacher Academies“. Gemeinsam mit den Erasmus+ Expertinnen und Experten setzt sie sich mit dem Thema Internationalisierung der Lehrkräftebildung auseinander. Während ihres Studiums hat Fazius ein Jahr als Erasmus-Studentin in Frankreich verbracht. 
[Foto: Susanne Reich / NA DAAD]