Akademische Grundwerte sind eng mit einem aktiven gesellschaftlichen Engagement und der Teilhabe am demokratischen Leben verbunden: Sie beinhalten Aspekte wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Diskriminierungsverbote und soziale Verantwortung. Mehr noch: Die Einhaltung der akademischen Werte ist fundamental, damit Hochschuleinrichtungen jene wesentliche Aufgabe übernehmen können, die sie für und in demokratischen Gesellschaften spielen sollten. So setzt die europäische Bildungspolitik darauf, dass Studierenden soziale, staatsbürgerliche und kritische Kompetenzen vermittelt werden. Dementsprechend werden akademische Grundwerte auch in der Erasmus+ Programmgeneration 2021–2027 prominent berücksichtigt und die Bedeutung der Hochschulen für demokratische Gesellschaften und für die Ausbildung zum kritischen Denken hervorgehoben.
Wissenschaftsfreiheit und Integrität, Hochschulautonomie, Beteiligung von Lehrenden und Studierenden an der Leitung von Hochschuleinrichtungen sowie gesellschaftliche Verantwortung der Hochschulbildung: Diese 4 elementaren akademischen Grundwerte («fundamental academic values») sind in den letzten Jahren spürbar unter Druck geraten, und das auch in einzelnen Mitgliedstaaten des Europäischen Hochschulraums (EHR). Angesichts dieser Entwicklung haben sich die Bildungsministerinnen und -minister der EHR-Staaten in ihren Erklärungen wiederholt sehr ausdrücklich dafür ausgesprochen, für den Schutz und die Förderung akademischer Grundwerte einzutreten – zuletzt bei der Bologna-Konferenz in Rom im November 2020. Die NA DAAD unterstützt dieses Bekenntnis durch Aktivitäten, die im Rahmen des vom BMBF finanzierten Projekts «bologna hub» im Referat EU04 realisiert werden.
Durch die Verleihung der Preise für wissenschaftliche Arbeiten rückte der DAAD die akademischen Grundwerte in den Fokus. Ausgezeichnet wurden 3 von einer international besetzten Kommission 2022 ausgewählte Nachwuchswissenschaftlerinnen, die sich mit ihrer Forschung für demokratische Gesellschaften einsetzen. Die Preisträgerinnen des «Fundamental Academic Values Award» erhielten je nach Platzierung ein Preisgeld von 7.000, 6.000 oder 5.000 Euro.
Janika Spannagel von der Freien Universität Berlin (Deutschland, 1. Platz) setzt sich in ihrer Publikation «The Perks and Hazards of Data Sources on Academic Freedom: An Inventory» mit neuen Datenquellen zur Wissenschaftsfreiheit, insbesondere dem «Academic Freedom Index», und der wachsenden Nachfrage nach qualitativen Fallstudien zur Situation der Wissenschaftsfreiheit in einzelnen Ländern auseinander. Sie bietet eine Bestandsaufnahme der wichtigsten verfügbaren Datenquellen zum Stand der Wissenschaftsfreiheit.
Dr. Elizaveta Potapova vom Public Policy and Management Institute (Litauen, 2. Platz) beleuchtet in ihrem Artikel «Speaking Up at Work: Narrative Analysis of Academic Freedom in Russia» die Frage der Wissenschaftsfreiheit im heutigen Russland. Sie betrachtet Wissenschaftsfreiheit als Bestandteil der beruflichen Identität von akademischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in einem System von Beziehungen zu Studierenden, Kolleginnen und Kollegen, der Universitätsverwaltung und dem Staat verorten.
Dr. Milica Popović von der Central European University (Österreich, 3. Platz) untersucht in der Publikation «Changing Understandings of Academic Freedom in the World at a Time of Pandemic» die Entwicklungen des Verständnisses von Wissenschaftsfreiheit während der Coronapandemie in den Jahren 2020 und 2021. Sie bietet einen systematischen Einblick in neue, teilweise umstrittene Auffassungen von Wissenschaftsfreiheit und Versuche, den Begriff neu zu konzipieren.
Die 3 Preisträgerinnen präsentierten ihre prämierten Arbeiten im Rahmen der DAAD-Peer Learning Activity (PLA) «Academic freedom and integrity» am 15. März in Berlin einem interessierten Fachpublikum. Im Anschluss entwickelte sich ein spannender Austausch zu aktuellen Entwicklungen der Wissenschaftsfreiheit, Integrität und Hochschulautonomie im Europäischen Hochschulraum.
Die feierliche Vergabe des Preises erfolgte im Rahmen des DAAD-Stipendiatentreffens vor rund 500 internationalen Stipendiatinnen und Stipendiaten in Berlin am 30. Juni 2023. Überreicht wurde der Preis durch hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von BMBF und DAAD.