EU-Förderprogramme als Baustein der strategischen Internationalisierung

Die Universität zu Köln und das Erasmus+ Programm
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Die Universität zu Köln beteiligt sich seit der Initiierung von Erasmus im Jahre 1987 aktiv am europäischen Bildungsprogramm. Das hat wesentlich zum Auf- und Ausbau der internationalen Strukturen an der Universität sowie zur Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit internationaler Mobilität beigetragen und bildet weiterhin den Kernbestandteil studentischer Auslandsaufenthalte.

Ende der 1980er-Jahre kam es mit der Einführung von Erasmus auch an der Universität zu Köln zum «Urknall» der Internationalisierung: Binnen kürzester Zeit vervielfachte sich die Zahl der Studierendenmobilität. Bis in die Mitte der 1990er stand die systematische Ausweitung im Vordergrund der Internationalisierung. Ab Ende des Jahrzehnts wurde Mobilität dann in einen breiteren, auf die Entwicklung einer «europäischen Dimension» im gesamten akademischen Programm der Hochschule abzielenden Rahmen von Kooperationsaktivitäten eingebunden. Dabei setzte sich die Auffassung durch, die Internationalisierung als einen strategischen, institutionell zu steuernden Prozess zu begreifen.

Heute sind rund 65 Prozent der Kölner Studierendenmobilität auf das Erasmus+ Programm zurückzuführen. Damit spielt das Kölner Erasmus-Netzwerk (mit momentan etwa 400 Partnerhochschulen und circa 800 Fächerabkommen in allen Programmländern) eine zentrale Rolle für die Studierenden in allen 3 Ausbildungsabschnitten. Mit einem Stipendienbudget von ungefähr 3,3 Mio. Euro ist die Zahl der Kölner Outgoings im Jahr 2022/2023 deutlich über 1.000 gestiegen.

 Porträt von Christiane Biehl, Leiterin der Abteilung 93 «Internationale Mobilität» und stellvertretende Leiterin des Dezernats Internationales der Universität zu Köln
© privat

Christiane Biehl
Leiterin der Abteilung 93 «Internationale Mobilität» und stellvertretende Leiterin des Dezernats Internationales der Universität zu Köln

Erasmus+ als Motor der Internationalisierung

Erasmus+ ist stets ein Motor der Internationalisierung gewesen, von dem viele innovative Impulse ausgegangen sind und der dazu beigetragen hat, dass sich Austauschprogramme und die damit zusammenhängenden notwendigen Strukturen etablieren konnten. An der Universität zu Köln wurden dadurch im Bereich der Austauschkooperationen qualitative Prozesse implementiert, die im Hochschulalltag selbstverständlich geworden sind, zum Beispiel die Betreuung von Studierenden, zielgruppengerechte innovative Austauschformate, Transparenz der Auswahlkriterien, Gleichbehandlungsgrundsätze, Verpflichtung zur Anerkennung sowie Dokumentation von Prozessen. Gesellschaftlich aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Inklusion und Diversität, die in der aktuellen Programmgeneration priorisiert werden, spielen auch in der Internationalisierungsstrategie der Universität eine wichtige Rolle. 

Als global orientierte Forschungseinrichtung sucht die Universität zu Köln die Zusammenarbeit mit den besten Wissenschaftler*innen, Studierenden und Promovierenden weltweit und möchte ihnen optimale Bedingungen und Unterstützung bieten. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Universität zu Köln folgende Internationalisierungsziele: Internationalisierung von Forschung, Studium und Lehre sowie die Wahrnehmung der globalen Verantwortung. Zur Verwirklichung dieser Ziele wurde ein Maßnahmenkatalog mit 13 Aufgabenfeldern aufgestellt. Als strategischem Förder- und Vernetzungsinstrument kommt dem Erasmus+ Programm eine fundamentale Bedeutung zu, da in nahezu allen Maßnahmen Fördermittel eingesetzt werden, die zu deren Realisierung und/oder Weiterentwicklung beigetragen haben.

13 Aufgabenfelder der Internationalisierungsziele (Einsatz von EU-Fördermitteln)

  • Kohärenz des internationalen Universitätsnetzwerks (Erasmus+ Leitaktion 2, Horizon 2020, European University Alliances)
  • Internationalisierung der Forschung und der Forschenden (Erasmus+, Horizon 2020)
  • Internationalisierung der Studienstrukturen (Erasmus+ KA1 und KA2)
  • Digitalisierung und Internationalisierung (Erasmus+ KA 1 und KA2)
  • Sprachenpolitik (Erasmus+ KA1 und KA2)
  • Ausbau der internationalen Partnerschaften zur Steigerung der Auslandsmobilität (Erasmus+)
  • weitere Verbesserung im Bereich des Ausländer*innenstudiums (Erasmus+ KA1 und KA2)
  • Ausbau eines kohärenten Systems von Kurzzeitangeboten im In- und Ausland (Erasmus+ KA1 und KA2)
  • globale Verantwortung (Erasmus+ KA2)
  • internationale Alumni-Arbeit (Erasmus+ KA1)
  • Angleichung der Support-Strukturen
  • Entwicklung der Planungs- und Steuerungskapazitäten, Berichtswesen 
  • Interkulturalität zu Hause (Erasmus+ KA1 und KA2)

Einige Beispiele für Vernetzung

Im Bereich der Individualförderung für Studierende und Dozierende unterstützt das Programm vielfältige Austauschformate: Studium, Praktika, Sommerschulen sowie digitale Formate (Blended Mobility). Somit trägt Erasmus+ zum Aufbau eines attraktiven, breit gefächerten Portfolios für die unterschiedlichen Zielgruppen bei, in einigen Bereichen auch mit strukturbildenden Effekten: Praktikumszuschüsse für Lehramtsstudierende an Schulen und Universitäten im Ausland haben es ermöglicht, engere Kontakte zu den Institutionen zu knüpfen und dadurch ein stabiles Netzwerk für Kölner Studierende und die Universität zu schaffen: internships@schoolsabroad.

Im Rahmen der Internationalisierungsstrategie der Universität zu Köln spielt ebenso die Internationalisierung der Verwaltung als Schnitt- und Servicestelle für die Fakultäten eine Rolle. Die Förderung des administrativen Personals eröffnet eine Chance, die konstruktive Partnerschaft von Wissenschaft und Verwaltung zu stärken und auf ein neues Niveau zu heben. 

Im Bereich der Internationalisierung der Forschung und Lehre bietet Erasmus+ die Möglichkeit, Nachwuchswissenschaftler*innen zu fördern, um (oftmals) erste internationale Lehrerfahrung zu sammeln und internationale Netzwerke zu bilden. Diese Maßnahme ist ein wertvolles Instrument zur «Erprobung» der Zusammenarbeit für umfassendere Kooperationen in Forschung und Lehre. Nicht selten münden solche Aktivitäten in tri- oder multilaterale Kooperationsprojekte. Ein Beispiel dafür ist das europäische Netzwerk Coimbra Group, dem die Universität zu Köln 2017 beigetreten ist. 

Darüber hinaus sind durch Individualmaßnahmen intensivere Formate der Zusammenarbeit entstanden, die zu erfolgreichen Strategischen Partnerschaftsprojekten (KA2) führten und im Sinne der globalen Verantwortung und der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) hoch relevante gesellschaftliche Themen untersuchen. Als Beispiele seien hier die Projekte ACCENT (Accessible Entrepreneurship – Empowerment for Global Futures) oder BRIGHTS (Bringing HEIs towards Sustainability) genannt sowie IANUS II, ein Erasmus-Mundus-Projekt mit Eastern Partnerships.

Und noch ein letztes Beispiel: die Europäische Hochschulallianz EUniWell. Ihr kommt an der Universität zu Köln eine sehr hohe strategische Bedeutung in Forschung, Lehre, Verwaltung und bei der Vernetzung mit der Öffentlichkeit zu, vor allem im Sinne der Mitwirkung an der aktiven Gestaltung des Europäischen Hochschulraums. Vor der Gründung des Konsortiums bestanden bereits vielfältige Erasmus+ Abkommen, auf die in der Antragstellung zurückgegriffen werden konnte.

 Eingangsportal der Universität Köln mit Bronzestatue Bronzestatue von Albertus Magnus im Vordergrund
© Tomy Badurina Fotografie

An der Universität zu Köln waren im Wintersemester 2022/23 rund 48.214 Studierende eingeschrieben. Von den Studierenden insgesamt waren 51 Prozent Frauen und 11 Prozent internationaler Herkunft aus circa 150 verschiedenen Nationen.

Fazit

Die Ziele und Möglichkeiten des Erasmus+ Programms fördern in hohem Maße die erfolgreiche Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der Universität zu Köln. Es ist ein nicht fortzudenkender Bestandteil des universitären Alltags. Ein Grundpfeiler bleibt dabei selbstverständlich der strategische Einsatz zur Förderung von individuellen Mobilitätsmaßnahmen. Durch – zum Teil – «niedrigschwellige» Förderstrukturen und Individualmaßnahmen sind vielfältig vernetzte und nachhaltige Strukturen entstanden. 

Die bestehenden europäischen (Erasmus-)Netzwerke stellen eine exzellente Grundlage dar, um neue Kooperationspartnerschaften und -formate auszutesten, zu etablieren und zu vertiefen. Sie bieten eine hervorragende Basis, um sich zukünftig noch intensiver in den Bereichen «Kooperationspartnerschaften» und «Politikunterstützung» zu beteiligen. Hier können strukturelle Projekte und innovative Ideen entwickelt werden, um die multilaterale Zusammenarbeit mit den europäischen Partnereinrichtungen nachhaltig zu verankern und um den Europäischen Hochschulraum aktiv mitzugestalten.

Kontakt:
Christiane Biehl
Universität zu Köln
Christiane Biehl, Universität zu Köln